Freitag, 22. Mai 2020

Freitagsfrage: Wie wirkt sich die Corona-Krise auf die Geldanlage der Deutschen aus?

Dass die Corona-Pandemie die Verbraucher mit großer Wucht trifft, liegt auf der Hand, sind doch derzeit Millionen Arbeitnehmer in Kurzarbeit. Trotzdem legen die Deutschen im Schnitt unverdrossen weiter Geld auf die hohe Kante. Doch Sparen und Geldanlage werden in dieser Zeit für viele zum Luxus, wie eine aktuelle Studie zeigt.


Sparweltmeister Deutschland wird seinem Titel auch in der Krise gerecht: Sogar geringfügig mehr Menschen bilden aktuell Rücklagen als noch vor der Krise – nämlich 77 Prozent versus 74 Prozent im Sommer 2019. Doch Vermögensunterschiede werden durch die Krise zementiert. Das zeigt eine aktuelle repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Kantar für die Postbank.

Der hohe Anteil der Sparer mag überraschend kommen, weil jeder fünfte Befragte angibt, infolge der Corona-Krise von Einkommenskürzungen betroffen zu sein. 14 Prozent stufen diese Einbußen als leicht ein, vier Prozent als erheblich und knapp drei Prozent als existenzbedrohend. Die finanziellen Verluste ziehen sich demnach quer durch alle Bevölkerungsschichten. „Weder das Haushaltsnettoeinkommen noch der Bildungsabschluss haben einen Einfluss darauf, ob Befragte aktuell über weniger Einkommen verfügen oder nicht“, erläutert Karsten Rusch, Experte für Wertpapieranlagen bei der Postbank. Allerdings beeinflussen beide Faktoren das momentane Spar- und Anlageverhalten.

Knapp jeder fünfte Deutsche hat das Sparen angesichts der Corona-Pandemie eingeschränkt: Von ihnen legen acht Prozent kein Geld mehr zurück und zehren gleichzeitig sogar ihre Ersparnisse auf, fünf Prozent bilden keine Rücklagen mehr und weitere fünf Prozent zumindest weniger als vor der Krise.

Erstaunlich: Elf Prozent der Befragten sparen heute sogar mehr. Dies betrifft vor allem die junge Generation zwischen 16 und 29 Jahren. In dieser ohnehin schon sparfreudigen Altersklasse legt knapp jeder Sechste (18 Prozent) mehr Geld beiseite als vor der Corona-Krise. „Durch die Einschränkungen der vergangenen Wochen – geschlossene Restaurants und stornierte Urlaube – haben viele Menschen weniger ausgegeben. Diese freien Mittel werden nun genutzt, um sich ein zusätzliches finanzielles Polster anzulegen“, meint Karsten Rusch.

Doch man muss es sich leisten können, Rücklagen zu bilden: Jeder Siebte mit einem Haushaltsnettoeinkommen von 2.500 Euro und höher legt heute mehr Geld beiseite als vor der Corona-Krise.

Unter den Befragten, denen monatlich weniger Geld zur Verfügung steht, spart nur jeder Zehnte mehr als vor der Pandemie. Personen mit einem vergleichsweise geringen Einkommen stellen sogar überdurchschnittlich häufig das Sparen ein: Jeder siebte Befragte mit einem Haushaltsnettoeinkommen von unter 2.500 Euro greift augenblicklich seine Ersparnisse an; von den Befragten, in deren Haushalt weniger als 1.500 Euro zur Verfügung stehen, betrifft dies bereits jeden Vierten. Menschen mit einem Einkommen von 2.500 Euro und mehr müssen dagegen derzeit nicht von ihren Ersparnissen leben – lediglich zwei Prozent geben an, dass sie aufgrund der Krise gezwungen sind, ihre Reserven anzugreifen.

Zwar trifft die Krise sämtliche Bevölkerungsschichten. Aber finanziell Bessergestellte seien eher in der Lage, Einbußen abzufedern und Verluste auszugleichen, so lautet ein Kernergebnis der Studie. Die sinkenden Börsenkurse ermutigen überdurchschnittlich viele bessergestellte Sparer zum Kauf von Aktien und Fonds, um Kurschancen zu nutzen. So ist der Anteil der Wertpapierbesitzer zwar auf dem im Vergleich zum Vorjahr ähnlich hohen Niveau geblieben (30 Prozent); gleichzeitig vergrößerte sich aber der Anteil der besser situierten Anleger. Dies belegen die Zahlen der Vergleichsumfrage vom Juli 2019: Bei einem Haushaltsnettoeinkommen von über 2.500 Euro kauften 2020 bereits 41 Prozent der Befragten Fonds und Aktien. 2019 waren es nur 36 Prozent.

Ein weiteres Kernergebnis: Familien werden durch die Krise finanziell benachteiligt: Während nur 18 Prozent der Singlehaushalte finanzielle Verluste verzeichnen, haben 57 Prozent der Haushalte mit drei und mehr Personen mit Einbußen zu kämpfen. Familien seien durch die Schließung von Kindertagesstätten und Schulen ganz besonders gefordert, Kinderbetreuung und Arbeitsalltag unter einen Hut zu bekommen – was offenbar häufig nicht ohne Einkommensverluste zu machen ist. 

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