Donnerstag, 11. Juni 2020

Flatex strebt in SDAX oder TecDAX




Die flatex AG möchte Ende 2020 im SDAX notieren, „sogar ein Listing im TecDAX erscheint uns greifbar zu sein“, sagt Frank Niehage, CEO der flatex AG, im Gespräch mit Finanzjournalisten.de Für das vierte Quartal strebt flatex den dafür notwendigen Wechsel in den Prime Standard an. Kunden sollen schon bald von der angestrebten Übernahme von Degiro profitieren.


Mit der Übernahme möchte sich flatex zum führenden bankenunabhängigen europäischen Onlinebroker entwickeln. „Unser Ziel ist es, zum europäischen Charles Schwab zu werden.“ In 18 Ländern sind die Broker derzeit aktiv. Die Handelsaktivitäten und die Neukundenentwicklung in beiden Häusern laufen „sehr erfreulich“: Schon jetzt habe flatex mehr Neukunden gewonnen als im gesamten Jahr 2019. Und per Ende Juni komme sein Haus aller Voraussicht nach bereits auf so viele Trades wie 2019 insgesamt. Das liege insbesondere an der hohen Volatilität und der v-förmigen Erholung nach dem Corona-Crash."Wir werden sehr starke Halbjahreszahlen zeigen, weil unsere Kunden die Volatilität nutzen.“, so Niehage.

Derweil wartet flatex noch darauf, dass die angekündigte Übernahme des niederländischen Wettbewerbers Degiro vollzogen werden darf. In den nächsten vier bis acht Wochen rechnet Niehage damit, dass der Deal von der dortigen Aufsicht genehmigt wird. Doch schon vorher sollen Kunden erste Vorteile aus der Übernahme bekommen: „Es ist mit der niederländischen Aufsicht abgestimmt, dass wir schon vor dem Closing damit starten dürfen, Degiro-Kunden Konten bei der flatex Bank anzubieten“, sagt Niehage. Noch diesen Monat sollte das möglich sein. Degiro selbst hat keine Banklizenz und kann daher derzeit keine Konten mit Einlagensicherung anbieten. Tradingguthaben seiner Kunden werden daher derzeit in Geldmarktfonds geparkt, was für viele gewöhnungsbedürftig ist. Demnächst soll sich das ändern. Konten bei der flatex Bank unterliegen hingegen der gesetzlichen Einlagensicherung, die 100 000 Euro pro Kunde und Bank schützt.

Mit der Übernahme soll eine übergreifende europäische Plattform geschaffen werden, ein Kunde soll dann wählen können, welche Angebote welches Brokers er nutzt. „Unser Ziel ist es, Kunden beider Anbieter das Beste aus beiden Welten anzubieten“, sagt Niehage. So können Degiro-Kunden derzeit die Erlaubnis erteilen, ihre Wertpapiere zu verleihen, und damit Leiheerträge erzielen. In den Niederlanden ist das möglich, in Deutschland geht das bisher nicht. Ein flatex-Kunde soll das künftig ebenfalls dürfen laut Niehage. Oder er nutzt den Futures- und Optionen-Handel von Degiro, den es bei flatex bisher nicht gibt.

Dabei sollen die Marken und Angebote von Flatex und Degiro nebeneinander bestehen bleiben, aber über eine Plattform mit einander vernetzt werden.  So erscheint es laut Niehage „sehr wahrscheinlich möglich“ zu sein, deutschen Degiro-Kunden künftig auch eine deutsche Jahressteuerbescheinigung sowie die nach den Regeln der deutschen Abgeltungsteuer laufende Verrechnung von Gewinnen und Verlusten anzubieten.

Insbesondere durch verbesserte Konditionen bei Produktanbietern, Handel und Abwicklung und IT-Einsparungen erwartet Niehage Synergien von 30 Millionen Euro EBITDA pro Jahr. Mittelfristig strebt der Kombi-Broker Erlöse von 300 Mio. Euro, ein EBITDA von 150 Mio. Euro und einen Gewinn je Aktie von drei Euro an. Damit sieht Niehage flatex auch gegenüber den neu gestarteten Null-Euro-Brokern gut aufgestellt. "In diesem Zusammenhang ist die Qualität und damit auch die Verlässlichkeit des IT Systems nicht außer Acht zu lassen und 100 % uptime kann halt nicht jeder."

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