Dienstag, 23. Juni 2020

Nach und nach aus der Krise

6,7 Prozent Minus in diesem Jahr und 4,9 Prozent Wachstum in nächsten: Der "Wirtschaftsweise" genannte Sachverständigenrat prognostiziert Deutschland die tiefste Rezession nach dem Zweiten Weltkrieg. Und die Zahlen gelten laut Gutachten auch nur, wenn die Covid-19-Pandemie nicht erneut in großem Umfang aufflammt. Ein Szenario für den schlechteren Fall gibt es nicht, und das ist auch gut so.

Ein "Wumms" soll es werden. Mit massiven Ausgaben und Steuerverzicht will die Bundesregierung die von Corona-Lockdown gebeutelte Konjunktur wieder in Schwung bringen. Heute haben die Wirtschaftsweisen dem Versuche bescheinigt, dass er sich "positiv auswirken" sollte. Das Niveau vor der Krise wird die Wirtschaft aber gemäß dem neuen Gutachten auch 2021 noch nicht wieder erreichen. Ist das Paket der Bundesregierung also Geldverschwendung?

Eher nicht, denn es trägt sicher dazu bei, dass die Konjunktur wieder in Schwung kommt. Mehr noch ist es aber eine Versicherung dagegen, wenn es noch schlechter kommt. Hohe neue Infektionszahlen würden nämlich weitere Schutzmaßnahmen notwendig machen, die wieder zu Umsatzeinbußen in vielen Branchen führen würden. Und damit könnte aus dem Angebotsschock – also dem Zustand, dass gewisse Güter und vor allem Dienstleistungen nun eine Weile im Lockdown nicht oder nur eingeschränkt verfügbar waren – endgültig ein Nachfrageschock werden.

Die Menschen würden dann viele Ausgaben einschränken, weil sie entweder um ihr Einkommen fürchten oder aus Angst vor Ansteckungen etwa den Restaurantbesuch oder den Einkaufsbummel unterlassen. Andererseits würde genau dann das Konjunkturpaket der Bundesregierung eine ganze Wirkung entfalten: Denn es zielt überwiegend darauf ab, die Ausgabefreude der Konsumenten anzuheizen.

Dass die Wirtschaftsweise so ein Szenario gar nicht behandelt haben, ist verständlich. Denn in dieser Rechnung gibt es zu viele Unbekannte. Und die Wahrscheinlichkeit, dass Deutschland noch einmal in einer größere Infektionswelle rutscht, scheint zumindest derzeit gering.

Bleiben also die Aussichten aus dem Gutachten, die einen allmählichen Weg aus der Krise andeuten. Und es bleibt: Hoffen, Abstand waren, Maske tragen.

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