Dienstag, 16. Juni 2020

Niedrigere Mehrwertsteuer sorgt für negative Inflationsrate

Um stolze 1,6% könnte die Inflationsrate in Deutschland im kommenden halben Jahr sinken, falls die Unternehmen die Mehrwertsteuersenkung ab Juli komplett für entsprechende Preissenkungen nutzen. Das hat das Statistische Bundesamt errechnet. Möglicherweise geht es mit den Lebenshaltungskosten aber sogar noch ein Stück weiter bergab - bevor sie ab dem kommenden Jahr deutlich klettern dürften.

Nur noch 16% statt 19% beim normalen und 5% statt 7% beim ermäßigten Steuersatz sollen die Kauflust der Bundesbürger anheizen und so die Wirtschaft ein Stück weit aus ihrer tiefen Krise herausführen. So plant es die Bundesregierung. Es ist sehr wahrscheinlich, dass der Plan recht gut aufgehen und der Wirtschaft einen Kickstart verleihen wird. Die Aussagen von Unternehmen und Verbänden lassen vermuten, das die Steuersenkung in der Mehrzahl der Fälle eins zu eins an die Verbraucher weitergegeben werden dürfte. Dabei lag die Inflationsrate auch vor der Mehrwertsteuersenkung im Mai mit 0,6% bereits auf dem niedrigsten Stand seit 2016.

Aber nicht nur das: Die Absenkung der Umsatzsteuer könnte sogar einen zusätzlichen Preiseffekt bewirken: Viele Unternehmen werden wohl die Steuersenkung als Steilvorlage für ihre Marketingbemühungen betrachten, und Sonderaktionen draufsetzen. Das wird vor allem von der Autoindustrie erwartet, die nun, nachdem die Regierung Benzin- und Dieselmodelle aus ihrer Förderung ausgeschlossen hat, selbst aktiv werden muss. Es ist deshalb denkbar, dass sie sich ein großes Stück aus dem Kuchen der zusätzlichen Kaufkraft herausschneiden möchte - und da konkurrieren die deutschen Hersteller mit den ausländischen vermutlich größtenteils über zusätzliche Preiszugeständnisse.Die Rabatte haben, nachdem sie zuletzt gefallen waren und zudem Erhöhungen der Listenpreise durchgeführt worden sind, durchaus wieder Luft nach oben.

Natürlich werden auch viele anderen Branchen Sonderaktionen starten, um vom Steuereffekt überdurchschnittlich zu profitieren. Deshalb ist es durchaus denkbar, dass die Inflationsrate zeitweise sogar unter -2% fallen wird. 2021 aber droht der gegenteilige Effekt: Das Ende der Mehrwertsteuersenkung wird vor allem im zweiten Halbjahr im Jahresvergleich zu einem scharfen Inflationsanstieg führen. Wenn bis dahin die Wirtschaft wie geplant wieder in Gang ist, steigen zudem die Preisüberwälzungsspielräume der Unternehmen. Natürlich wird die Bundesregierung dann auch versuchen, ihren Haushalt mit Steuererhöhungen wieder ins Lot zu bringen. Auch das treibt die Preise. Und nicht zuletzt wird die enorme Geldschwemme, die Regierungen und vor allem Notenbanken weltweit erzeugt haben, früher oder später Teuerungsimpulse auslösen. Zuviel Geld im Verhältnis zur Nachfrage ist nun einmal der ideale Nährboden für die Inflation.

Aber das ist Zukunftsmusik. Jetzt kommt es darauf an, dass die Steuersenkung und die anderen Maßnahmen der Regierungen und Notenbanken ihre Wirkung entfalten und der Wirtschaft zu einem dynamischen Aufschwungsmodus verhilft.



Keine Kommentare:

Kommentar posten