Dienstag, 7. Juli 2020

Kaufhunger der Amerikaner treibt den Goldpreis

Schier unaufhaltsam strebt der Goldpreis Richtung Allzeithoch von gut 1900 Dollar je Feinunze aus dem Jahr 2011. Im bisherigen Jahresverlauf hat das edle Metall schon um 18 % auf 1785 Dollar zugelegt. Vor allem extrem hohe Goldkäufe der Amerikaner seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie haben dafür gesorgt.

Das gab es noch nie: Nach der US-Zollstatistik war Gold im Mai die Ware mit dem höchsten Einfuhrwert überhaupt, noch vor Computern und Autos. Für fast 9 Milliarden Dollar haben die Amerikaner Gold eingeführt. Im April hatte es mit 7,5 Milliarden ebenfalls schon einen Rekord gegeben.

Der starke Zinsrückgang in den USA gilt als ein Hauptgrund für die immense Goldnachfrage. Für kurzfristige Gelder gibt es in den USA nach den Zinssenkungen der US-Notenbank Fed praktisch keine Zinsen mehr, und lang laufende Staatsanleihen rentieren unter einem Prozent. Das spielt Gold in die Hände, das ja keinen laufenden Ertrag abwirft. Hinzu kommt, dass die massiven Liquiditätsspritzen der Fed den Geldumlauf in so kurzer Zeit so massiv aufgebläht haben wie noch nie. Viele Anleger rechnen deshalb langfristig mit einer anspringenden Inflation und einem schwächeren Dollarkurs. Und davor wollen sie sich mit einem höheren Goldanteil im Depot teilweise schützen.

Dass der Goldpreis trotz des Edelmetallhungers der Amerikaner nicht noch stärker geklettert ist, liegt am gleichzeitigen massiven Einbruch der Nachfrage in Asien. Indien und China, wo Gold traditionell eine wichtige Rolle spielt, sind normalerweise die größten Goldimporteure der Welt - aber ihre Einfuhren sind seit der Coronakrise auf ein Minimum geschrumpft.

Viele Experten gehen jedoch davon aus, dass die Goldnachfrage in Asien wieder zunehmen wird, sobald sich die Wirtschaftsentwicklung wieder in normalen Bahnen bewegt. Und dann könnten die Notierungen weiter kräftig zulegen. Goldman Sachs hat denn auch seine Prognose für den Goldpreis um 200 Dollar angehoben - in einem Jahr soll er 2000 Dollar erreichen. Und das wäre ein neues Allzeithoch.

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