Dienstag, 7. Mai 2019

Von der Bank (fast) über den Tisch gezogen

Toll, freute sich eine Verwandte von mir, als sie das Angebot ihrer Bank zur Anschlussfinanzierung ihrer Hypothek bekam. Sie sollte weniger als halb so hohe Zinsen zahlen wie in den letzten zehn Jahren. Dass sie damit aber fast doppelt so viel zahlen sollte, als es den aktuellen Bauzinsen entspricht, hat sie spät, aber nicht zu spät entdeckt.

2,15% effektiv sollte die neue zehnjährige Hypothek kosten, so lautete das erste Angebot. Sie wollte schon unterschreiben, schaute aber vorsichtshalber im Internet nach, wie denn die Konditionen zurzeit generell aussehen. Und sie war bass erstaunt, als sie herausfand, dass es zahlreiche Geldinstitute gibt, die Zinsen von nur rund einem Prozent verlangen. Mit den Berechnungen eines Finanzierungsportals marschierte sie nochmals zu Bank. Der Berater schluckte kurz und bot ihr 1,85% an. Weniger gehe nicht. Meine Verwandte meinte darauf, sie habe ja noch Zeit bis zur Anschlussfinanzierung und werde sich bei anderen Banken umsehen. Daraufhin wurde der Berater nervös und suchte seinen Chef auf. Und er kam freudestrahlend zurück und verkündete, dass gerade die Zinsen eines Partnerinstituts gesenkt worden seien, er könne ihr nun die Hypothek zu rund 1,2% offerieren.

Das Beispiel meiner Verwandten zeigt, dass manche Banken anscheinend die Unwissenheit ihrer Kunden gnadenlos ausnutzen und überhöhte Zinsen verlangen – und das bei einer Kundin, die schon über die Hälfte ihrer Ursprungshypothek getilgt hat. Der Kredit entsprach gerade noch etwa einem Drittel des Wertes ihrer Immobilie – für die Bank also eine sichere Sache.

Gerade bei Anschlussfinanzierungen scheinen manche Geldinstitute anzunehmen, dass sie ruhig happig draufschlagen können, weil Kunden ungern den Kreditgeber wechseln, um Kosten und Zeit für die Umschreibung zu vermeiden. Jeder, der eine Hypothek abschließt oder verlängert, sollte deshalb entweder selbst in den zahlreichen Baugeldportalen recherchieren - oder jemanden bitten, das für ihn zu tun. Meine Verwandte hat dadurch über die gesamte Laufzeit betrachtet Tausende von Euro gespart.

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1 Kommentar:

  1. Danke für den Artikel. Das erinnert stark an die Szene aus Fargo, in der die Hauptfigutär so tut als würde er zum Chef gehen um zu verhandeln dabei stellt er sich nur flott hinter die Tür.

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