Freitag, 24. Januar 2020

Freitagsfrage: Positive Aussichten – alles wieder gut mit der deutschen Wirtschaft?

2019 war ein schwaches Jahr für die deutsche Wirtschaft - gerade mal so was wie eine schwarze Null erreichte das Wachstum. Doch jetzt mehren sich die Zeichen, dass 2020 besser laufen könnte. Alles wieder gut also?

Die Finanzexperten, die das ZEW regelmäßig für eine Index befragt, sind optimistisch wie lange nicht mehr. Und angeblich sieht auch das Wirtschaftministerium die Wirtschaft wieder im Aufschwung und hat seine Prognosen nach oben revidiert – auf immerhin 1,1 bis 1,2 Prozent. Das meldet zumindest das Handelsblatt.

Dürfen sich Politik und Unternehmen also nun zurücklehnen und genießen, dass das Modell Deutschland doch noch funktioniert? Bei weitem nicht. Denn die Konjunktur mag besser laufen, die Struktur der deutschen Wirtschaft braucht eine Generalüberholung. Die Probleme der Autoindustrie wachsen – und hinterlassen bereits deutliche Spuren für besonders abhängige Gemeinden, die mit Arbeitsplatzverlusten und weniger Gewerbesteuereinnahmen zurecht kommen müssen.

Die Infrastruktur muss moderner werden, besonderen in Sachen Digitalisierung. Und natürlich ist das Schulsystem immer ein Thema, inzwischen aber auch die Fortbildung. Und: es braucht neue Unternehmen und Wirtschaftszweige, die umweltverträglicher arbeiten und neue Bedürfnisse bedienen.

Eine Mammutaufgabe neben der anderen. So gesehen ist der neue Miniaufschwung eine große Chance, denn er verschafft allen Akteuren etwas Zeit und mehr Kapital für den notwendigen Wandel. Andererseits könnte er den einen oder anderen auch einlullen: So nach dem Motto: Läuft doch, was habt ihr denn?

Zu hoffen ist also, dass sich niemand täuschen lässt. Der Erfolg der deutschen Wirtschaft ist nicht selbstverständlich. Gleichzeitig sind die Voraussetzungen für die Zukunft hierzulande wirklich gut. Solide Finanzen der meisten Unternehmen und der öffentlichen Hand, eine Heer von gut ausgebildeten Technikern, von denen einige nun von der Autoindustrie freigestellt werden und vieles mehr sorgen für eine gute Basis, Neues zu entwickeln.

Und wer weiß, vielleicht wird der Druck von der Konjunktur ja bald wieder größer? Putin, Trump, Erdogan, Johnson und Co sind immer für eine (negative) Überraschung gut. Vielleicht kommt der nächste Schock schon bald aus den USA: Trump will ein neues Handelsabkommen mit der EU verhandeln und droht mit Strafzöllen.


Mehr Beiträge vom finanzjournalisten blog

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen